Ich habe von Georg Heym "Der Irre" für meine alte, sehbehinderte Tante Hannelore gesprochen und aufgenommen. Leider war ihr die Geschichte zu grausam, aber sie hat sich gefreut, meine Stimme zu hören. Übersetzt hieß es wahrscheinlich, daß ich ihren Kriterien nicht genügte.

 

Nun ist sie tot. Sie war die Königin der Herzen für unsere Familie

während der letzten 60 Jahre.

Es lebe Hannelore Voß, meine Patentante und  unser ewiges Hannelörchen!!!

 

 

 

 

Es passierte an einem heißen Tag auf dem Kinderspielplatz an unserer Kirche.Ein freches Mädchen mit Zöpfen verspricht uns Jungs: "Wenn ihr Messdiener werdet, gebe ich euch einen richtigen Kuss unter dem Sakristeieingang - so mit Zunge," sie lacht kurz auf und rennt weg. Ich torkel vor Schwindel.Ich bin erst neun. Sehnsüchtig warte ich auf meine Erste Kommunion.                                                                Ein Jahr ist vergangen, seit zwei Wochen bin ich Ministrant. Es ist wieder so ein heißer Sommernachmittag. Ich treffe auf dem Spielplatz  einen der Kumpels vom letzten Jahr. Ich weiß nicht, ist es wegen der Hitze oder pocht mein Herz so wild, weil ich jetzt zur Tat schreiten werde.- "Wo wohnt sie, wo kann ich sie treffen?" frage ich ihn.- "Du weißt nicht? Ihre Familie ist vor kurzem weggezogen", sagt er.

 

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